Barnabasevangelium

Das Barnabas Evangelium ist eine nachgewiesene Fälschung aus dem 14. - 16. Jahrhundert und ein sogenanntes Pseudepigraph (von gr. ψευδεπιγραφία, Falschzuschreibung).

Die Textgeschichte lässt sich nur bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen, der älteste vollständig erhaltene Text stammt gar aus dem 18. Jahrhundert. 

 

Sehr viele falsche geographische und historische Angaben zu Judäa und dem damaligen kulturellem Umfeld beweisen dass der Verfasser weder zeitlich noch geographisch in irgendeiner Nähe der beschriebenen Ereignisse stand.

Zitat des Historikers Lonsdale Ragg zur wahrscheinlichen Datierung des Ursprungtextes :

"Das Barnabasevangelium spricht von den Jubeljahren im Abstand von 100 Jahren, während das Alte Testament in 3 Mose 25,10 einen 50-jährigen Abstand nennt. 1300 n.Chr. setzte Papst Bonifatius VIII. die Jubeljahrfeier auf den 100-jährigen Abstand fest, aber schon 1343 verkürzte Clemens VI. die Zeit auf die biblischen 50 Jahre und kündigte das nächste Jubiläum für 1350 an. Einen 100-jährigen Turnus des Jubeljahres hat es also historisch nur in der Zeit von 1300 bis 1343 gegeben, was für eine Abfassung des Barnabasevangeliums in dieser Zeit spricht"

 

Angebliche Türkische Funde :

Nach anderen Medienberichten von 2012 soll im Jahr 2000 bei einer Polizeiaktion gegen Schmuggler an der türkischen Mittelmeerküste eine Handschrift in aramäischer Sprache beschlagnahmt worden sein, von der es heißt, sie könne bis zu 1.500 Jahre alt sein. Türkische Medien spekulieren, es handle sich möglicherweise um ein Exemplar des Barnabasevangeliums.Dem türkischen Kulturminister Ertugrul Günay zufolge soll das Fundstück untersucht und nach der Restaurierung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.Da außer diesen Presseberichten und Absichtserklärungen keine weiteren archäologisch oder paläografisch gesicherten Informationen zu den Funden existieren, sind diese Behauptungen nicht überprüfbar. Wissenschaftler bezweifeln das vermutete Alter der Handschrift und halten sie für eine Fälschung.

 

Zusammenfassung der Probleme :

  • Es gibt keine Textüberlieferung des Barnabasevangeliums vor dem 16. Jahrhundert.
  • Im Gegensatz zu den kanonischen und auch zu anderen apokryphen Texten ist bei christlichen Kirchenvätern oder Kirchenlehrern kein Zitat aus dem Barnabasevangelium nachgewiesen.
  • Es wird vor dem 16. Jahrhundert auch von keinem islamischen Autor erwähnt.
  • Es gibt im Barnabasevangelium mehrere schwere historische und geographische Fehler, wie beispielsweise, dass Jesus Christus geboren wurde, als Pilatus Statthalter war (also ab 26 oder 27 n. Chr.), oder dass Jesus zu Schiff nach Jerusalem reiste (das aber inmitten des Festlands liegt).
  • Es gibt im Barnabasevangelium Widersprüche zu frühen nicht-christlichen Quellen.
  • Das Barnabasevangelium zitiert aus der Vulgata, der lateinischen Bibelübersetzung, die jedoch erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. entstand.
  • Das Barnabasevangelium erwähnt vier der Fünf Säulen des Islam, die jedoch vor der Entstehung des Islam im 7. Jahrhundert n. Chr. unbekannt waren.
Es deutet also alles auf eine islamische Fälschung aus dem 14. Jahrhundert hin.
Interessanterweise, bezeichnet das "Barnabasevangelium" Mohammed als den Messias.
Hier eine ausführliche Widerlegung (Christine Schirrmacher) :
http://www.grundtexte.de/index.php?option=com_attachments&task=download&id=294
 
 
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Tags: Apokryph, Barnabas, Betrug, Fälschung, Islampropaganda, Pseudepigraph, Türkei

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